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Herr P. aus S. entdeckt die Liebe

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Herr P. aus S. entdeckt die Liebe
Aber immerhin ...
Die Liebe!
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In letzter Zeit hatte Herr P. aus S. sich immer wieder Gedanken darüber gemacht, was ihm gut tut und was ihm nicht gut tut. In erster Linie handelte es sich dabei um Gefühle, die mit gewissen Situationen einher gingen.

Als passionierter Bürokrat hatte er sogar eine Tabelle erstellt. „Gut“ und „Böse“ lauteten die Überschriften der beiden Spalten. Damit verfolgte Herr P. die Absicht, beide Gefühls-Dimensionen genauestens voneinander zu trennen und sich in Zukunft ganz und gar auf die guten Gefühle zu fokussieren. Die Bösen, bzw. Schlechten, wollte er auf diese Weise nach und nach ganz aus seinem Leben verbannen.

Als Herr P. sich die Tabelle nun so anschaute kamen ihm unwillkürlich Erinnerungen an seinen letzten Urlaub in den Sinn, den er auf Bali verbracht hatte.

Ganz fasziniert hatte er einen Schaukampf zwischen dem guten Gott Barong und der bösen Göttin Rangda verfolgt. Selbstverständlich war er davon ausgegangen, dass der gute Barong gewinnen würde und war ganz verwirrt, als der Kampf unentschieden ausgegangen war.

„Aber einer muß doch gewinnen!“ hatte er vor sich hin gemault. Er hatte es kaum ertragen können, dass an seinem inneren Weltbild derart gerüttelt wurde.

Sein Bild von der Welt sah so aus, dass das Gute immer über das Böse siegen würde. So wurde es ihm ja schon als kleines Kind gelehrt, in den Märchen, die immer ein Happy End hatten. Und auch heute noch mochte er keine Filme oder Romane oder sonstige Geschichten, in denen das Böse siegte, oder schlimmer noch, es sich gar um ein offenes Ende handelte.

Nicht zuletzt wurde ihm dieses Bild auch von der Kirche bestätigt. Immerhin hatte Herr P. eine ordentliche, katholische Erziehung genossen.

Na ja, genossen hatte er sie eigentlich nicht gerade. Es war eher seine Mutter gewesen, die ihn da hin geschickt hatte, damit aus ihm ein „ordentlicher Mensch“ wird. Für ihn selbst war es mehr eine unangenehme Pflicht gewesen, all die Gebete und Lieder auswendig lernen zu müssen, damit er sie im Gottesdienst schön mit der Gemeinde runter rasseln konnte.



Autor: Lydia Therhaag
aktualisiert am 20.Jan.09 um 11:30 Uhr