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Das Blumenmädchen

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Das Blumenmädchen
Johann pflanzte einen Rosenstock
Johann verliebte sich in Rosalie
Schwermut und Neuanfang
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Es lebte einst ein junger Bäcker namens Johann in einem kleinen Dorf. Er stand, noch lange bevor der erste Hahn krähte, auf, ging nach getaner Arbeit zum Markt und verkaufte dort seine Backwaren. Dunkles und helles Brot, Brötchen und Brezen, sowie allerlei Zuckerwerk lagen fein säuberlich geordnet auf seinem Wagen. Der Duft den seine Waren verströmten breitete sich dann über den gesamten Markt aus und die Leute ringten sich um die Auslagen, sodass er regelmäßig bereits alles verkauft hatte, bevor die Kirchturmuhr das zwölfte mal geschlagen hatte.

Da Johann dann immer noch etwas Zeit hatte, schlenderte er regelmäßig, nachmittags über den Marktplatz und schaute sich bei den anderen Händlern um. So ging er an den feil gebotenen Hühnern, Schmuck-, Obst- und Gemüseständen vorbei und deckte sich für den täglichen Bedarf ein. Am liebsten jedoch hielt er sich an dem Stand des Blumenmädchens auf. Zu fast jeder Jahreszeit duftete es hier nach Tulpen, Narzissen, Rosen und allerlei Blumen, die er noch nicht einmal dem Namen nach kannte.

Als er wieder einmal bei dem Blumenmädchen verweilte und die Düfte in die Nase einsog, sprach ihn das Mädchen lächelnd an. "Guten Tag der Herr. So oft bleibt ihr hier stehen und doch kauft ihr nie etwas". "Diese Blumen sind sehr schön .." entgegnete Johann ".. und ich genieße diese Vielfalt an Düften, die einem in die Nase und zu Kopfe steigen".

Das Blumenmädchen war klug und sie ahnte, dass Johann das nötige Kleingeld fehlte, um sich Blumen zu kaufen. Und sie wusste auch, dass auf Johann keine Frau wartete, die sich über so einen Blumenstrauß freuen würde. "Einen Moment" sagte sie zu Johann, "ich glaube ich habe da etwas, damit ihr Euch zu jederzeit an der Schönheit der Blumen erfreuen könnt". Sie verschwand unterhalb ihres Wagens und kramte flink in ein paar Taschen. Nach einer kurzen Weile hielt sie Johann ein kleinen Rosenstock hin. "Den müsst ihr in fruchtbarer Erde einpflanzen und täglich gießen. Schon nach einem Jahr könnt ihr dann, wenn ihr zu hause das Fenster öffnet, deren Duft und Schönheit zu jedem Zeitpunkt des Tages erleben." Als Johann sie vorsichtig nach dem Preis für das Rosenstöckchen fragte, machte das Blumenmädchen es ihm zum Geschenk. Es wäre doch so selten, dass jemand die Schönheit und Pracht von Blumen so schätze, wie er.



Autor: Oliver Neumann
 

Kommentare  

 
+1 #1 Markus Bopp 2009-01-24 09:01 Sehr schön geschrieben Oliver!
Es zeigt wieder einmal, dass es nicht auf die Aüßerlichkeiten ankommt. Es zählen doch immer wieder die "inneren Werte" eines Menschen.
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0 #2 Oliver Neumann 2009-01-28 02:25 Danke Zitieren
 
 
0 #3 Oliver Neumann 2009-03-04 04:05 Aus dem Buch:

Herbstspiele und andere bunte Blätter
Erschienen im bod Verlag:

http://www.amazon.de/Herbstspiele-andere-bunte-Blätter-Geschichten/dp/3837076628
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